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Ashwagandha: Was Studien zu Wirkung und Dosierung zeigen

Ashwagandha gilt als pflanzliches Mittel gegen Stress – doch was ist dran, welche Dosis ist üblich und für wen ist die Pflanze nicht geeignet?

Sophie Reinhardt
Sophie ReinhardtPhysiotherapeutin & Gesundheitsjournalistin · 26. September 2026 · 5 Min. Lesezeit
Brauner Wurzelpulver auf Holzlöffel neben getrockneten Wurzeln

Vielleicht ist Ihnen der Name in letzter Zeit öfter begegnet: Ashwagandha, auf Deutsch auch Schlafbeere oder Winterkirsche genannt, botanisch Withania somnifera. Die Pflanze stammt aus der indischen Heilkunde Ayurveda und wird dort seit sehr langer Zeit verwendet. Heute findet man sie in zahllosen Kapseln und Pulvern, oft beworben für mehr Gelassenheit und besseren Schlaf. In meiner Arbeit werde ich regelmäßig gefragt, ob das etwas taugt und wie viel man denn nun nehmen müsste. Dieser Beitrag ordnet die Studienlage ruhig ein, erklärt die beiden häufigsten Extraktformen und nennt konkrete Mengen – und ebenso ehrlich, wo die Grenzen liegen und wer besser verzichtet.

Was man über die Wirkung wirklich weiß

Ashwagandha zählt zu den sogenannten Adaptogenen – ein Begriff, der beschreiben soll, dass eine Pflanze dem Körper helfe, besser mit Belastung umzugehen. Das klingt griffig, ist wissenschaftlich aber kein scharf umrissenes Konzept. Deshalb lohnt der nüchterne Blick darauf, was tatsächlich untersucht wurde.

Am besten erforscht ist der Bereich Stress und Schlaf. In mehreren kontrollierten Studien mit erwachsenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die über anhaltende Anspannung berichteten, zeigte sich unter standardisiertem Wurzelextrakt eine Verringerung des empfundenen Stresses im Vergleich zu einem Scheinpräparat. Begleitend wurde in einigen dieser Untersuchungen auch ein Rückgang des morgendlichen Cortisolspiegels gemessen, also jenes Hormons, das bei Belastung ansteigt. Auch für die Schlafqualität gibt es Hinweise auf eine Verbesserung, insbesondere beim Ein- und Durchschlafen.

Wichtig ist dabei die Einordnung: Die meisten dieser Studien waren eher klein, liefen über überschaubare Zeiträume von etwa sechs bis zwölf Wochen und wurden teils von Herstellern mitfinanziert. Langzeitdaten über viele Monate oder Jahre fehlen weitgehend. Das bedeutet nicht, dass die Beobachtungen wertlos sind – aber es bedeutet, dass man Ashwagandha nicht als gesichertes Heilmittel betrachten sollte, sondern als pflanzliche Ergänzung mit vorsichtig positiven, aber noch begrenzten Belegen.

KSM-66 und Sensoril: zwei Wege, dieselbe Pflanze

Wer sich mit Ashwagandha beschäftigt, stößt schnell auf zwei Bezeichnungen für standardisierte Extrakte. Beide stammen von derselben Pflanze, unterscheiden sich aber darin, welcher Teil verwendet wird und auf welchen Gehalt an Wirkstoffen – den sogenannten Withanoliden – sie eingestellt sind.

Der eine Extrakt wird überwiegend aus der Wurzel gewonnen und ist auf einen vergleichsweise niedrigen Withanolidgehalt standardisiert. Er wird häufig in etwas höheren Tagesmengen eingesetzt. Der andere stammt aus Wurzel und Blättern und ist auf einen deutlich höheren Withanolidanteil eingestellt, weshalb hier meist kleinere Mengen verwendet werden. Diese Unterschiede erklären, warum Dosierungsangaben auf verschiedenen Produkten stark voneinander abweichen können – die bloße Milligrammzahl sagt ohne den Withanolidgehalt wenig aus.

MerkmalWurzelextrakt (niedrig standardisiert)Wurzel-Blatt-Extrakt (hoch standardisiert)
Verwendeter Pflanzenteilüberwiegend WurzelWurzel und Blätter
Withanolidgehalt (standardisiert auf)etwa 5 Prozentetwa 10 Prozent oder mehr
Typische Tagesmenge Extraktrund 300–600 mgrund 125–250 mg
Häufiger Einsatzschwerpunktallgemeine Anspannung, Vielseitigkeitgezielt Stress, höhere Wirkstoffdichte
Einnahmezeitpunkt in Studienoft zweimal täglichoft ein- bis zweimal täglich

Die Angaben in dieser Tabelle spiegeln gängige Spannen aus veröffentlichten Untersuchungen und Produktdeklarationen wider. Sie sind keine individuelle Empfehlung, sondern sollen Ihnen helfen, Etiketten besser zu lesen. Entscheidend ist weniger der Markenname als die Frage: Wie viel Extrakt steckt drin, und auf welchen Withanolidgehalt ist er standardisiert?

Übliche Dosierungen und Einnahme

In den Studien zu Stress und Schlaf wurden meist Tagesmengen im Bereich von etwa 250 bis 600 Milligramm standardisiertem Extrakt verwendet. Höher dosiert heißt dabei nicht automatisch besser – oberhalb dieser Spannen gibt es kaum belastbare Daten, dafür steigt die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen.

Ein paar praktische Punkte, die sich aus der Studienlage und der Erfahrung ableiten lassen:

Als Physiotherapeutin sehe ich immer wieder, dass Menschen auf ein einzelnes Mittel große Hoffnungen setzen. Ashwagandha kann ein Baustein sein, aber die stärkste Stellschraube bei Stress und schlechtem Schlaf bleibt in aller Regel der Alltag selbst: ein kurzer Spaziergang am frühen Abend, ein fester Zubettgehzeitpunkt, der Verzicht auf Bildschirme in der letzten Stunde vor dem Schlaf.

Mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Ashwagandha wird von vielen Menschen gut vertragen, ist aber nicht harmlos. Am häufigsten werden Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, weicher Stuhl oder ein unangenehmes Völlegefühl berichtet, meist bei höheren Mengen. Manche Menschen fühlen sich tagsüber ungewohnt müde oder benommen.

Besondere Vorsicht ist bei der Leber geboten. In seltenen Fällen wurden im Zusammenhang mit ashwagandhahaltigen Präparaten Leberwertveränderungen beschrieben. Wer Beschwerden wie anhaltende Müdigkeit, Oberbauchschmerzen, dunklen Urin oder eine Gelbfärbung der Haut oder Augen bemerkt, sollte die Einnahme beenden und ärztlichen Rat suchen. Relevante Leberwerte sind etwa die Transaminasen ALT und AST sowie das Bilirubin; auffällige Werte lassen sich über eine Blutuntersuchung erkennen.

Weil Ashwagandha die Schilddrüsenhormone beeinflussen kann, ist bei einer bestehenden Schilddrüsenerkrankung Zurückhaltung angebracht. Ebenso kann die Pflanze mit beruhigenden Medikamenten, mit Mitteln gegen Bluthochdruck oder Diabetes sowie mit Präparaten, die das Immunsystem dämpfen, wechselwirken. Falls Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, sprechen Sie vor einem Versuch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder in der Apotheke.

Wer besser verzichten sollte

Für bestimmte Gruppen überwiegen die Unsicherheiten. Von einer Einnahme wird in diesen Fällen abgeraten:

Das Wichtigste in Kürze

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie Medikamente einnehmen, chronisch krank sind, schwanger sind oder stillen, sprechen Sie Nährstoffpräparate und Trainingspläne vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Sophie Reinhardt

Sophie Reinhardt

Physiotherapeutin & Gesundheitsjournalistin · München

Sophie Reinhardt ist ausgebildete Physiotherapeutin und schreibt seit acht Jahren über Bewegung, Gelenke, Knochen und Regeneration. In der Praxis hat sie vor allem gelernt, wie wenig Aufwand nötig ist, um etwas zu verändern — und wie oft Menschen an Programmen scheitern, die für ihren Alltag schlicht zu groß gedacht sind.

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